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Literatur

Justinus Kerner: Arzt, Dichter und Romantiker

Er war Arzt, Dichter und Denker und ging in Ludwigsburg und Maulbronn zur Schule. Justinus Kerner, der am 18. September 1786 in Ludwigsburg geboren wurde und am 21. Februar 1862 in Weinsberg (Landkreis Heilbronn) starb, war ein schwäbischer Romantiker und medizinischer Schriftsteller. Von Ralf Schick und epd.
Porträt eines Mannes mit Koteletten in dunkler Kleidung, Wappen oben links.

Der Dichter und Denker Justinus Kerner im Jahr 1852 auf einem Gemälde, das von Ottavio d’Albuzzi stammt, einem ehemaligen Patienten Kerners.

wikimedia/Gemälde von Ottavio d’Albuzzi)

Ludwigsburg/Weinsberg. Sein lyrisches Schaffen machte ihn weit über die Region hinaus bekannt. Zusammen mit anderen berühmten Dichtern wie etwa Ludwig Uhland gab er zahlreiche Lyrikbände heraus. In Tübingen , wo er Medizin studierte, lernte er viele Theologen und Künstler kennen wie Gustav Schwab, Karl Mayer und Heinrich  Köstlin.

Kerner betreute den bereits geisteskranken Dichter Friedrich Hölderlin und lernt seine spätere Frau, Friederike Ehmann, Pfarrerstochter aus Ruit auf den Fildern, kennen. Er promoviert mit einer Arbeit über die „Funktion der einzelnen Teile des Ohres“ und unternimmt danach eine Bildungsreise nach Hamburg, Berlin und Wien. 

Kerner verfasste die offizielle Hymne von Württemberg

Das Haus des Dichters und Arztes Justinus Kerner in Weinsberg war zugleich literarischer Treffpunkt großer Poeten wie Lenau und Uhland und Sanatorium für psychisch kranke Menschen. Diese Mischung machte das geräumige Anwesen Kerners, der am 18. September vor 240 Jahren geboren wurde, zum „merkwürdigsten und eigentümlichsten Haus in ganz Schwaben“, wie der Theologe David Friedrich Strauss befand, ebenfalls häufiger Gast des Hauses. Denn Kerner war nicht nur mit Leib und Seele romantischer Dichter, der sogar die inoffizielle Hymne Württembergs verfasste, sondern auch praktizierender Mediziner mit einem Hang zum Okkulten.

Immer wieder nahm der Oberamtsarzt Kerner in sein Haus, das Nebengebäude und einen ehemaligen Gefängnisturm mit angeblichen Spukphänomenen umfasste, psychisch Kranke auf. Seine berühmteste Patientin war Friederike Hauffe (1801-1829) aus Prevorst, die an Somnambulismus (Schlafwandel) litt, Erscheinungen von Stimmen und Lichteffekten hatte und drei Jahre bis zu ihrem Tode im Hause des poetischen Arztes am Fuße der Burg Weibertreu lebte.

Auch Richard Wagner und Sissi kamen zu Besuch

Die Krankheitsgeschichte von Friederike Hauffe beschrieb Kerner in seinem Roman „Die Seherin von Prevorst“, der eine weite Beachtung fand. Noch Jahre später kamen Richard Wagner und Kaiserin Elisabeth (Sissi) in die ehemalige Wohnung der „Seherin“. Heinrich Heine sah indes den Roman seines Dichterkollegen mit beißendem Spott: Kerner habe „dem Publikum aufs ernsthafteste erzählt, daß ein Paar Schuhe, ganz allein, ohne menschliche Hülfe, langsam durch ein Zimmer gegangen sind bis zum Bette der Seherin von Prevorst“, wie der Tübinger Germanist Günter Grimm in seinem Nachwort der Ausgewählten Werke Kerners zitiert.

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