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Marbach erhält das Redaktionsarchiv der Emma

Zeitschriften-Cover der ersten EMMA-Ausgabe 1/1977.
Deutsches Literaturarchiv Marbach)Marbach. Alice Schwarzer, die Galionsfigur der deutschen Frauenbewegung, stellt ihre Zeitschrift Emma nach fast 50 Jahren ein. Am 8. Dezember 2026 erscheint die letzte Ausgabe. Doch während das Magazin vor dem Ende steht, beginnt für seine Geschichte ein neues Kapitel: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) übernimmt das Redaktionsarchiv als Stiftung. Es dokumentiert ein halbes Jahrhundert feministischer Debatten, Kontroversen und Initiativen.
Als Schwarzer im Jahr 1977 die erste Emma-Ausgabe herausbrachte, wollte sie der Gleichberechtigung eine publizistische Stimme geben. Die Zeitschrift begleitete gesellschaftliche Entwicklungen aus feministischer Perspektive und stieß Debatten an – über die Rollenverteilung in der Familie, sexuelle Gewalt und das Recht auf Abtreibung ebenso wie über die Darstellung von Frauen in den Medien.
Mit der 1988 gestarteten PorNo-Kampagne rückte die Zeitschrift die Auswirkungen von Pornografie auf Frauen und Jugendliche in den Mittelpunkt einer kontroversen öffentlichen Auseinandersetzung.
Die Gründungszeit ist gut dokumentiert
Wie sich die Frauenbewegung entwickelte und welche Fragen sie beschäftigten, lässt sich mit der Übernahme des Redaktionsarchivs künftig dezidiert in Marbach nachvollziehen. Neben sämtlichen erschienenen Ausgaben umfasst es zahlreiche Materialien aus der Gründungszeit: Konzepte, Angebote zur Mitarbeit und Korrespondenzen mit Weggefährtinnen, Publizistinnen und Leserinnen. Zu den Briefpartnerinnen zählen etwa die Schriftstellerinnen Irmtraud Morgner, Jeannette Lander, Margot Schroeder, Ginka Steinwachs und Hedi Wyss sowie die Filmemacherin Margarethe von Trotta. Briefe und Notizen geben Einblick in die Arbeit der frühen Redaktion.
Ein zentrales Anliegen war damals die feministische Literatur, verbunden mit dem Anspruch, „die Entfaltung weiblicher Kreativität“ zu fördern. Das Marbacher Archiv bewahrt damit nicht nur veröffentlichte Positionen, sondern auch Spuren der Diskussionen und Ideen, aus denen das Magazin entstand.
Der Bestand reicht weit über Literatur- und Kulturfragen hinaus. Er enthält Materialien zum Missbrauch von Kindern, mit denen sich die Redaktion ab 1977 befasste, und zum Islamismus ab 1979. Hinzu kommen analoge Druckvorlagen, eine Plakatsammlung und ein Pressearchiv mit mehr als hundert Ordnern.
Im Sommer 2027 ist das Archiv in Marbach
Voraussichtlich im Sommer 2027 soll das Archiv nach Marbach übergeben werden. Alice Schwarzer wurde für ihre publizistische und gesellschaftspolitische Arbeit vielfach ausgezeichnet. Mit Emma hat sie über Jahrzehnte Debatten geprägt und polarisiert.
Die erhaltenen Unterlagen zeigen künftig nicht nur, wofür die Zeitschrift öffentlich eintrat, sondern auch, welche Menschen sie trugen und welche Fragen sie im Inneren bewegten. Das Ende des Magazins bedeutet nicht das Ende seiner Geschichte.