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Zehntausende Notizzettel aus Ton entdeckt

Tonscherben wurde in der Antike als Schreibmaterial für Kurznotizen genutzt. Foto: Universität Tübingen
Uni Tübingen)Tübingen. Was heute Haftzettel sind, waren vor Jahrtausenden Tonscherben: Man machte sich allerlei Notizen darauf. In Ägypten wurden in einer Ruinenstadt 43.000 solcher beschrifteter Scherben entdeckt – darunter 130 mit Horoskopen.
Die Fundstücke lagen in der oberägyptischen Ruinenstätte Athribis, wie die Universität Tübingen mitteilte. Die sogenannten Ostraka dienten in der Antike als günstiges Schreibmaterial.
Mit der Menge an Scherben übertrifft Athribis den bis dahin ergiebigsten Fundort für Ostraka, Deir el-Medina, ein ehemaliges Arbeiterdorf im Tal der Könige. Der archäologische Komplex Athribis besteht aus dem Tempelbezirk, der Siedlung, der Nekropole und Steinbrüchen.
Die geborgenen Texte decken nach Angaben der Universität eine Spanne von 1400 Jahren ab. Die ältesten Fragmente stammen aus dem dritten Jahrhundert vor Christus, die jüngsten reichen bis in das elfte Jahrhundert nach Christus. Auf den Scherben finden sich Steuerbelege, Lieferlisten, Schulübungen und über 130 Horoskope. Damit gilt Athribis als weltweit wichtigste Quelle für astrologische Vorhersagen.
Auf der Oberfläche wurden geometrische Figuren gemalt
Die Menschen beschrieben den Ton größtenteils in demotischer und griechischer Schrift, malten aber auch geometrische Figuren auf die Oberfläche. Ein gemeinsames Grabungsteam der Universität Tübingen und der ägyptischen Antikenbehörde hatte die Stücke in den vergangenen Jahren freigelegt. Der Tübinger Grabungsleiter Christian Leitz hob den besonderen Wert dieser Entdeckung hervor: „Die Ostraka zeigen uns eine erstaunliche Vielfalt an Alltagssituationen“, betonte der Grabungsleiter.
Jeden Tag werden mehr als 100 Exemplare entdeckt
Die Auswertung stellt die Beteiligten vor große Herausforderungen. Jeden Tag holen die Ausgräber bis zu 100 neue Exemplare aus der Grabungsfläche. Die Forscher müssen jedes Stück einzeln digitalisieren und ziehen dafür auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Betracht.
Der archäologische Komplex Athribis liegt zehn Kilometer westlich des Nils gegenüber der antiken Metropole Achmim und war das Kultzentrum der Löwengöttin (Ta-)Repit. (epd/rik)