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Zweikampf um den Rottweiler Landratsposten

Der Testturm in Rottweil gehört auch zu den Wahrzeichen des Landkreises. Um den Chefposten im dortigen Landratsamt bewerben sich Frank Bonath (links) und Christoph Keckeisen.
dpa/imageBROKER/Arnulf Hettrich; Jens Hagen; Privat | Montage: Herrgoß)Rottweil. Schon vor einem Jahr hat Amtsinhaber Wolf-Rüdiger Michel (CDU) angekündigt, dass er ab Mai in den Ruhestand gehen will. Zwei Kandidaten bewerben sich nun um den Landratsposten von Rottweil. Am Montag fällt im Kreistag die Entscheidung zwischen Christoph Keckeisen (CDU), dem Ersten Landesbeamten beim Landratsamt Bodenseekreis, und Frank Bonath, FDP-Landtagsabgeordneter aus dem nahen Wahlkreis Villingen-Schwenningen.
Der 49-jährige Keckeisen will das Landratsamt zur Ermöglichungsbehörde machen. Bürger und Unternehmen sollen auf offene Ohren stoßen, die Ansprechpartner in den Ämtern sollen ruhig auch mal beraten, wie die Antragsteller zu ihren Zielen kommen. Das ist nur ein Aspekt der Bürgerfreundlichkeit, mit der sein Amt punkten soll. Digitalisierung soll die Kontakte zwischen Amt und Bürger erleichtern, die Wirtschaft soll dank der Entscheidungen aus der Rottweiler Behörde nachhaltig wachsen.
Der Jurist hatte erst als Rechtsanwalt gearbeitet, steht aber seit 2008 in Diensten des Landes, zunächst im Hohenlohekreis, später im Innenministerium und bei der CDU-Fraktion im Landtag als parlamentarischer Berater, bevor er 2019 erster Landesbeamter im Friedrichshafener Landratsamt wurde.
Christdemokrat war bereits im Parlament beschäftigt
Der Christdemokrat verspricht eine überparteiliche Amtsführung. Auf ihn haben sich die CDU und Freien Wähler verständigt, die beide mit ihren 26 Kreisräten die Mehrheit im 46-Mitglieder-großen Gremium stellen. Dennoch hat sich Keckeisen bei den anderen Fraktionen vorgestellt und hofft, dass ihm seine Angebote an die SPD und die Grünen eine breite Mehrheit verschaffen.
Da will Frank Bonath ein Störfaktor sein. Der noch amtierende liberale Landtagsabgeordnete arbeitet daran, dass es eine zumindest knappe Mehrheit für ihn gibt – quasi als Geschenk zum 54. Geburtstag, den er am Dienstag nach der Wahl feiern kann. Bonath will den Landkreis als Dienstleister all seiner Kommunen ausrichten und die wirtschaftliche Prosperität rund um Rottweil trotz Transformation erhalten. Die Kreisfinanzen will der studierte Volkswirtschaftler zur Chefsache machen und das Hauptgremium das ganze Jahr über an den Entwicklungen teilhaben lassen. Das Landratsamt soll gerade in seinem neuen Gebäude ein Musterbetrieb moderner Verwaltung werden.
Bonath kommt aus der Wirtschaft und hat bei unterschiedlichen Unternehmen in Führungspositionen gearbeitet. Bei der Landtagswahl verzichtete er nach einer Periode auf die erneute Kandidatur als Wahlkreiskandidat. Im Parlament drehten sich die Debatten um festgelegte Inhalte. Bonath sehnt sich dagegen im Landkreis nach einer konstruktiven und überparteilichen Art der Politikarbeit. Seine FDP stehe mit ihren vier Räten hinter ihm, bei den anderen Fraktionen hat er für sich geworben, ohne aber um feste Zusagen zu bitten.
Sechs Bewerber schauten sich die Mehrheitsfraktionen an
Fest zugesagt haben sich dagegen die Fraktionen der CDU mit 14 und die Freien Wähler mit zwölf Stimmen, sich an Keckeisen zu halten. Beide Fraktionen hatten im Vorfeld ausgelotet, ob es Kandidaten gibt, die beide Gruppen überzeugt, erinnert sich Freie-Wähler-Sprecher Thomas Haas.
Die Vorbereitungen liefen eher informell ab, erst schaute sich ein kleiner Kreis, dann die ganze Fraktionen die sechs Bewerber an, keine Frau darunter. „Wir wollten zufällige oder überraschende Ergebnisse verhindern“, sagt der Bürgermeister von Schiltach. Doch eine Garantie gibt auch Haas nicht ab: „Die Wahl ist immerhin geheim“.