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Bahnmanager Tobias Harms

Tobias Harms ist seit 2020 Chef der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH.
SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH/Jürgen Altmann)Einhundertsechzig Stunden mit Claus Weselsky – das muss man erst einmal durchstehen. Der über ein halbes Jahr währende Tarifkonflikt mit der GDL, der mit einer monatelangen Schlichtung 2023 endete, war in gewisser Weise die Feuertaufe von Tobias Harms. Und es überrascht kaum, dass das Land schon zum zweiten Mal seinen Vertrag verlängert hat. Wer wie der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) es mit dem seinerzeit wohl gefürchtetsten Gewerkschafter aufnehmen konnte, dem ist die Leitung eines landeseigenen Unternehmens mit gut 1900 Mitarbeitern allemal zuzutrauen.
GDL und SWEG rechnen unterschiedlich
Weselsky ist seit anderthalb Jahren im Ruhestand, doch Harms verhandelt weiter. Nach dem Tarifvertrag ist vor dem Tarifvertrag. Doch deutet vieles darauf, dass es diesmal nicht zum Äußersten kommt. Die Frage, ob die GDL ein Tarifpartner ist – ursprünglich hatte die SWEG Verhandlungen abgelehnt, die GDL setzte ihren Anspruch nach 630 Stunden Streik vor Gericht durch – ist geklärt. Jetzt geht es um vergleichsweise gängige Forderungen wie mehr Geld, die sich laut GDL auf acht Prozent Gehaltsvolumen addieren, die SWEG kommt auf 13 Prozent.
Harms räumt ein, dass es kein Leichtes ist, mit zwei Gewerkschaften – die andere ist Verdi – zu verhandeln. Doch er pflege zu beiden ein „offenes und ehrliches Verhältnis ohne Tarifstreitfolklore“. Und fordert dies auch von den Gewerkschaften.
Der wohl spannendste Studentenjob, den man sich vorstellen kann
Der 52-jährige Politologe gehört nicht zu jenen in der Branche, die schon als Bub davon träumten, Lokführer zu werden. Sein Verhältnis zur Bahn bezeichnet er als professionell, was ihn freilich nicht davon abhält, die eine oder andere Schicht auf dem Führerstand zu verbringen. Dass Harms auch Lokführer ist, genauer Triebfahrzeugführer, verdankt er dem Umstand, dass er aus Karlsruhe stammt. Und dass die dortigen Verkehrsbetriebe in den 1990er-Jahren Studierende als Aushilfsfahrer einstellten. Ein Semester ging für die Ausbildung drauf, dann hatte er den wohl spannendsten Studentenjob, den man sich vorstellen kann.
Harms war für die städtischen Verkehrsbetriebe in Offenbach, in Bremen und in Augsburg tätig. 2016 wechselte er zur SWEG, seit 2020 steht er an der Spitze des Unternehmens mit Sitz in Lahr, das unter anderem die Bahnlinien von Offenburg nach Straßburg und Freudenstadt betreibt. Und was hält er von Weselsky? Als hart, aber zuverlässig in der Sache habe er ihn erlebt. Die Bildzeitung hatte ein weniger schmeichelhaftes Bild gezeichnet.