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Bundesländer

Unionspolitiker für Deckelung des Länderfinanzausgleichs

Die unionsregierten Länder Bayern und Hessen signalisieren kurz vor der Wahl in Baden-Württemberg, ein Dreier-Bündnis schmieden zu wollen. Dabei geht es auch um ein großes finanzielles Reizthema.
Drei Männer in Anzügen vor blauer Wand mit Schriftzug "Bund".

Markus Söder (CSU, r-l), Ministerpräsident von Bayern, Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU in Baden Württemberg, und Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident von Hessen, nehmen an der Pressekonferenz der sogenannten "Drei-Löwen-Allianz" im Haus der Bundespressekonferenzteil.

dpa/Michael Kappeler)

Berlin/Stuttgart.  Bayern und Hessen wollen im Fall eines Siegs der CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg stärker als süddeutsche Dreierformation auftreten – und vor allem eine Reform des Länderfinanzausgleichs forcieren.

Die Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Boris Rhein (CDU) und der Stuttgarter CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel forderten bei einem gemeinsamen Auftritt in Berlin zügig Verhandlungen über eine Neuordnung der Finanzbeziehungen und einen „Deckel“ gegen eine Überlastung der Geberländer. Dabei verwiesen sie auch auf die Möglichkeit, dass die drei Länder den Finanzausgleich 2030 kündigen könnten. Wenn es bis dahin keine Lösung gebe, werde man das gemeinsam entscheiden müssen, sagte Söder.  „Dann muss verhandelt werden und eine neue Lösung gefunden werden.“

Söder, Rhein und Hagel fordern Obergrenze der Belastung

Der CSU-Chef sagte, die drei Länder seien Zugpferde und zugleich Lastesel Deutschlands als größte Geberländer des Länderfinanzausgleichs, der unfair und ungerecht sei. „Er ist im Grunde genommen das Bürgergeld unter den Finanzsystemen.“ Es brauche deshalb eine „Obergrenze der Belastung“. Rhein sagte: „Wir sind solidarisch, aber wir haben nichts zu verschenken.“ Es brauche deshalb eine faire Balance und einen Finanzausgleich „ohne Freifahrtschein für Wahlgeschenke“ – und mit Anreizen für Empfängerländer, selbst stärker zu werden. Hagel stellte klar: „Es geht um eine gerechtere Verteilung.“

Mit dem Länderfinanzausgleich sollen Unterschiede der Finanzkraft annähernd ausgeglichen werden, damit alle Länder ihren Aufgaben nachkommen können. Finanzstarke Bundesländer tragen bei, finanzschwache Länder profitieren. Laut Bundesfinanzministerium wurden 2024 rund 18,65 Milliarden Euro umverteilt. Geberländer waren Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg – wobei Bayern schon seit Jahren mit Abstand am meisten beiträgt. Der Freistaat klagt deshalb auch vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das aktuelle System.

Söder will auch Debatte über „Staatsstruktur“ 

Söder erneuerte seine Idee, nicht nur den Finanzausgleich, sondern auch die „Staatsstruktur der Länder“ neu zu ordnen – „wenn man die Kraft hätte“. Der CSU-Chef hatte zuletzt für eine Zusammenlegung von Bundesländern plädiert.

Rhein stellte sich grundsätzlich hinter die Idee. Dies sei zwar für ihn nicht vordringlich, aber wenn es um grundlegende Strukturfragen gehe, „kann natürlich die Frage des Zuschnittes von den Ländern eine Rolle spielen“. Vordringlich sei aber, die Finanzbeziehungen neu zu ordnen, betonte er. Hagel bremste: „Verfassungsrechtlich sind dem ja sehr hohe Hürden gesetzt, und das entscheiden zuallererst mal die Menschen in den betroffenen Ländern.“

Hagel: Revitalisierung der Südschiene

Grundsätzlich wollen Söder und Rhein wieder enger mit Baden-Württemberg zusammenarbeiten, sollte Hagel die Landtagswahl am 8. März gewinnen. Ziel sei es, die gemeinsamen Interessen auch über den Bundesrat durchzusetzen, erklärte Hagel. „Es ist die Revitalisierung der deutschen Südschiene.“ Rhein sprach von einer „schwarzen Troika“, die Motor für Deutschland sein wolle. Söder sagte: „Es gibt eine formale Nord-MPK, es gibt eine formale Ost-MPK.“ Nur der Süden sei in den vergangenen Jahren etwas zurückhaltend gewesen. 

Schon jetzt fordern die drei Unionspolitiker beispielsweise mehr Freiräume und „Experimentierklauseln“, um in bestimmten Bereichen versuchsweise vom Bundesrecht abweichen zu können. Sie verlangen mehr Kompetenzen für die Länder bei Grunderwerb- und Erbschaftsteuer. Und sie wollen in den Bereichen Raumfaht, KI und Quantencomputing deutlich enger zusammenarbeiten.

Drei Löwen – aber nicht mehr?

Die drei Unionspolitiker gaben ihrem Bündnis den Namen „Drei-Löwen-Allianz“ – alle drei Länder haben einen Löwen in ihrem Wappen. Andere Länder aber auch – weshalb sie die Frage beantworten mussten, ob nicht auch etwa der schleswig-holsteinische Regierungschef Daniel Günther (CDU) dazustoßen dürfte. Daraufhin entfaltete sich ein kleiner Wortwechsel. Söder: „Ich glaube, das hätte dann Daniel Günther grundlegend überfordert. Also das wollten wir nicht.“ Hagel meinte: „Aber in einem Rudel ist grundsätzlich jeder willkommen, der mitmacht.“ Söder wiederum mahnte, da Schleswig-Holstein ein Nehmerland ist: „Aber jeder muss jagen und einen Beitrag bringen dazu, nicht nur das Fressen bekommen.“ Und Rhein ergänzte: „Ja, und im Süden leben.“ (dpa)

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