Themen des Artikels
Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen
Die SPD startet mit Plakaten mit Menschen aus dem Land in den Wahlkampf

Im Gespräch mit Generalsekretär Sascha Binder (rechts): Rentnerin Rose und Schülerin Frida. Beide sind Gesichter der Wahlkampagne der SPD.
Stefanie Schlüter)
Böblingen. Die Zeiten sind für die Sozialdemokraten nicht einfach. Das weiß auch ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März, Andreas Stoch . Nach den Umfragen könnte die SPD derzeit nur zehn Prozent der Wähler für sich gewinnen. Doch das will Stoch gemeinsam mit den 70 Wahlkreiskandidaten seiner Partei ändern. An diesem Samstag startete die SPD mit ihrer „Tour für dich“ in der Kongresshalle in Böblingen den Wahlkampf. Zum Auftakt mit dabei waren unter anderem die Staatssekretäre aus dem Bund Nils Schmid (Verteidigung), Rita Schwarzelühr-Sutter (Umwelt) und Katja Mast (Arbeit und Soziales).
„Es geht um den Menschen, es geht um dich“, macht Stoch deutlich. Und entsprechend sind auch die Wahlplakate gestaltet. Denn hier stehen Menschen mit ihren Überzeugungen dahinter. So etwa die Schülerin Frida, die gemeinsam mit Stoch in Böblingen das erste Plakat enthüllt. Ihr Spruch: Weil es um gleiche Chancen geht, wenn es um Bildung geht. Die Rentnerin Rose steht für „Weil es um Würde geht, wenn es um Pflege geht.“ Beide sind in Böblingen dabei. “Ich habe sofort ja gesagt“, erzählt die Rentnerin. Schließlich gehe es um ihre Partei und um ihre Werte. Und sie spricht auch gleich einen Punkt aus dem Wahlprogramm an: Pflegende Angehörige müssten unterstützt werden. Das könne nicht umsonst geleistet werden. Das sei eine gesellschaftliche Aufgabe.
Gesichter der Wahlkampagne
Weitere Gesichter der Kampagne sind Tobias, ein Handwerksmeister aus Stuttgart. Er steht für den Slogan: „Weil es um sichere Jobs geht, wenn es um Wirtschaft geht.“ Und die Mutter von zwei Kindern, Fabia, spricht mit „Weil es um faire Mieten geht, wenn es um Wohnen geht“ ein weiteres zentrales Thema aus dem SPD-Wahlprogramm an.
Zentrale Themen der SPD sind die Wirtschaft und der Erhalt der Arbeitsplätze, die Bildung, die Gesundheitspolitik und die Erreichbarkeit von Ärzten, Krankenhäusern und Notfallpraxen und bezahlbare Wohnungen. Dementsprechend spricht Stoch auch über eine Wohnraumoffensive, damit die Mieten nicht weiter steigen, sondern sinken. Über gute Startchancen für alle Kinder. Angefangen mit der Kita. „Wir brauchen qualitativ gute Bildungschancen für alle Kinder in Baden-Württemberg“, so Stoch. Hinzu kommt, dass die Bildung, von der Kita bis zum Meister und dem Studienabschluss gebührenfrei sein müsse. Er spricht von einer guten ärztlichen und pflegerischen Versorgung. Und er verspricht, dass die SPD in Regierungsverantwortung sich auch mit einer Kassenärztlichen Vereinigung anlegen wird mit Blick auf die 18 geschlossenen Notfallpraxen. Und genau dieser Mut sei auch notwendig.
Zeitnah notwendige Arzttermine bekommen
Der Landtagsabgeordnete und Wahlkreiskandidat von Böblingen, Florian Wahl, nennt ein Beispiel einer Frau, die bei ihm in der Sprechstunde war. Sie musste vier Monate auf einen Hautarzttermin warten, nachdem sie Veränderungen festgestellt hatte. Als sie da war, stellte sich raus, dass es Hautkrebs war – und die musste sich anhören, warum sie nicht früher gekommen sei. Und Wahl betont, dass jeder Mensch ein Recht auf Gesundheit habe. Er müsse auch zeitnah notwendige Arzttermine bekommen. „Wir müssen mehr in Versorgung und weniger in Lobbygruppen denken“, so Wahl.
„Veränderung ist möglich, wenn Politik den Menschen dient und kein Selbstzweck ist“, macht auch Generalsekretär Sascha Binder deutlich. Dass es für seine Partei nicht einfach wird, ist ihm ebenso klar wie Stoch. Der warnt jedoch davor, sich von Umfragewerten kirre machen zu lassen. Es gelte nun, mit den Menschen vor Ort zu sprechen. Ein wichtiges Ziel für Stoch ist auch, dass Rechtsextreme nicht im Parlament oder der Regierung sitzen. „Dafür werde ich bis zum letzten Tag kämpfen“, sagt der Spitzenkandidat. Und dazu gehört für ihn auch, nicht im Vorfeld, wie es die FDP getan hat, Koalitionen mit demokratischen Parteien auszuschließen. Die hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt, sagt Stoch, der klar machen will, dass Hass und Hetze keine Lösungen sind.
Seitenhieb auf Regierungsparteien
Einen Seitenhieb gibt es aber doch noch auf CDU und Grüne. Wenn beide jetzt erzählten, was sie künftig alles anders machen wollten, so sei das nicht glaubwürdig. Immerhin regieren beide Parteien seit zehn Jahren gemeinsam im Land. Da hätten sie die Möglichkeiten gehabt, so der Spitzenkandidat. Als Beispiel führt er die Bildungspolitik an, wo seit Jahren nichts mehr voran gehe.
Beim Wahlkampfauftritt in Böblingen ist die Stimmung gut. Man ist unter sich, begrüßt alte Bekannte, macht Selfies mit dem Spitzenkandidaten. Doch für ihn geht es in dieser Woche schon weiter. Am Donnerstag in Pforzheim, Freitag im Neckar-Odenwaldkreis, Samstag in Bruchsal.