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Krise der SPD in Baden-Württemberg

Kann Robin Mesarosch die SPD im Land retten?

Der 34-jährige Ex-Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch ist durch eine Wutrede auf Instagram bekannt geworden. Nun will Landesvorsitzender werden. Jusos und einige Kreisverbände kritisieren den Landesvorstand und fordern Reformen. 

Robin Mesarosch 2024 bei einer Rede im Bundestag. Der Ex-Abgeordnete verlor 2025 sein Mandat, nun will er SPD-Landesvorsitzender werden.

Thomas Trutschel)

Stuttgart. Er hat das Zeug zum neuen Hoffnungsträger: Robin Mesarosch (34) will seine Partei entfesseln. Nicht mehr nur auf Parteitagen, mit Klartext per Videobotschaft, sondern als neuer Landesvorsitzender der gebeutelten Sozialdemokratie im Südwesten. „Das Schlimmste, was uns jetzt passieren kann, wäre, dass wir bei 5,5 Prozent sind und nicht diskutieren, wie es wieder besser wird“, erklärt der ehemalige Bundestagsabgeordnete aus Sigmaringen. Er hatte mit einer „Wutrede“ auf Instagram 33 000 Aufrufe erzielt.

Mesarosch hat seinem Sitz im Bundestag verloren

Vom Abstieg der SPD ist er direkt betroffen, weil er das Mandat nach fünf Jahren in Berlin aufgrund des schlechten Ergebnisses 2025 nicht verteidigen konnte. Die Botschaft: „Solange wir sachlich und fair bleiben, gehört jetzt alles auf den Tisch.“

In der Südwest-SPD geht es nach der verheerenden Wahlniederlage drunter und drüber. Der Rems-Murr-Kreisvorsitzende Pierre Orthen erklärt: „Der Wahlkampf ist nicht überzeugend gewesen.“ Im Landtag wurde die Nachfolge rasch geklärt: Sascha Binder ließ sich am 10. März zum Vorsitzenden der auf zehn Personen verkleinerten Fraktion wählen. Der Juso-Landesverband hat daraufhin umgehend seinen Rücktritt gefordert. Der Juso-Landesvorsitzende Daniel Krusic findet klare Worte: „Das System ‚Weiter so‘ ist gescheitert, es ist Zeit für echte Veränderungen im SPD-Landesverband.“ Ein personelles Stühlerücken und im Hinterzimmer geführte Personaldiskussionen seien nicht ausreichend, ergänzt die Juso-Landesvize Frida Ketter.

Will René Repasi selbst Landesvorsitzender werden?

Der Karlsruher Europaabgeordnete René Repasi soll einen mehrmonatigen Findungsprozess bis zum vorgezogenen Landesparteitag am 20. Juni leiten. Manche sagen ihm selbst Ambitionen nach, wie auch der Tübinger SPD-Fraktionsvize Dorothea Kliche-Behnke. Der SPD-Nachwuchs fordert eine Mitgliederbefragung.

Lesen Sie auch: SPD will das Wahlergebnis evaluieren

Die Jusos machen konkrete Reformvorschläge und wollen auf den Parteitagen mehr Raum für Debatten, keine „Blockabstimmungen“, weniger Macht für die Antragskommission. Auch solle das Parteipräsidium nicht alle Themen des Landesvorstandes vorab abräumen. Robin Mesarosch, der in Langenenslingen im Kreis Biberach aufgewachsen ist, sorgte schon mit seiner Debütrede im Bundestag 2022 für Aufsehen, als er das Auto für unverzichtbar im ländlichen Raum erklärte.

Sascha Binder wird nicht als SPD-Landeschef kandidieren

Mesarosch hat mehr als 200 000 Follower, allein auf Instagram mehr als 120 000 und damit mehr als seine Bundesvorsitzenden. Sein neuestes Video „Ich kann nicht mehr“ dürfte die Reichweitenrekorde der Vergangenheit in den Schatten stellen. Der 34-Jährige kündigt darin an, beim Parteitag im Juni für den Landesvorsitz zu kandidieren. Die linke Ex-Landesvorsitzende Leni Breymaier kommentiert diesen Schritt in Social Media: „Gut so.“

Klar ist: Sascha Binder ist als Generalsekretär zurückgetreten und wird nicht als Landesvorsitzender kandidieren.

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