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Özdemir und Hagel: Es kann nur einen geben

Manuel Hagel und Cem Özdemir machen voraussichtlich die Frage unter sich aus, wer Ministerpräsident wird.
dpa/Bernd Weißbrod)Stuttgart. Die neueste SWR-Umfrage hat dem Wahlkampf eine neue Dynamik gegeben. Cem Özdemir verspürt Aufwind, weil die Grünen um drei Prozent zulegen und sich der Abstand zur CDU verringert. Im Wahlkampf tritt er jetzt verstärkt mit dem populären Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer auf. Wird Palmer sogar eine Art „Schattenminister“? Özdemir wird zudem, das ist keine Überraschung, in der Endphase plakativ auch mit Winfried Kretschmann omnipräsent sein.
Allerdings schießt die eigene Partei immer wieder quer, das Votum mit den Rechtspopulisten im EU-Parlament gegen Mercosur war ein schwerer Fehler, auch manche Äußerung der Grünen Jugend stört. Özdemir antwortet mit noch mehr Distanz zu seiner Partei, die nicht mal auf Wahlplakaten auftaucht.
Ein Interview mit Manuel Hagel lesen Sie hier.
Die Grünen profitieren von bisherigen SPD-Wählern
Tatsächlich speist sich sein Aufschwung daraus, dass er SPD-nahe Wähler anspricht. Die Polarisierung auf die Frage, ob Cem Özdemir oder Manuel Hagel am Ende die Nase vorne hat, dürfte den restlichen Wahlkampf prägen.
Aber auch der CDU-Spitzenkandidat punktet mit gelungenen Wahlkampfaktionen. Einen Wirtschaftsrat unter Leitung des ehemaligen „Wirtschaftsweisen“ Lars Feld ins Leben zu rufen, ist mehr als ein taktischer Coup. Der 37-Jährige Bankfachwirt setzt auf Wirtschaftskompetenz und damit auf das Thema, das mit 29 Prozent den Baden-Württembergern am meisten unter den Nägeln brennt.
Die CDU hofft auf wenig Gegenwind aus Berlin
Er muss auf Reformschwung und auf wenig Störgeräusche aus Berlin hoffen. Auch zur Verwaltungsreform wird noch Konkretes erwartet. Der Ehinger präsentiert sich als Reformer für den Standort. Seine pfiffigen Ideen kommen auf den Wahlkampfbühnen allerdings noch zu wenig zur Geltung, wo beim CDU-Landeschef oft noch der Hang zu Floskeln vorherrscht. Dennoch sammelt Hagel fleißig bürgerliche Stimmen ein und hält die AfD im Land damit im Zaum, das ist ein Erfolg.
Soll Boris Palmer Minister werden?
Grüne und CDU sind bis in die Haarspitzen motiviert. Das zeigt so manche Überreaktion und Nervosität auf beiden Seiten. SPD und FDP kämpfen um ihre Existenz. Die Zuspitzung auf Özdemir und Hagel lässt viele Wähler taktisch denken, das könnte die SPD die Zweistelligkeit und die FDP die Existenz kosten. Beide haben kaum noch Perspektiven auf die Macht.
Linke und AfD sind außen vor bei der Regierungsbildung
Das gilt für die radikalen Parteien ebenso. Es ist keine Konstellation denkbar, in der die Linke eine Rolle spielt. Die Partei speist sich eher aus dem Hype um die Youtube-Parteichefin Heidi Reichinnek, denn aus eigener Stärke im Südwesten. Die AfD wiederum erreicht ihren Zenit. Das Chaos von Donald Trump in den USA mag abschreckend wirken, die Partei wird bei der Regierungsbildung keine Rolle spielen. So wird der Wahlkampf spannender, als mancher dachte.