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Umfrage: Zufriedenheit mit Demokratie entsteht am ehesten vor Ort

Die Menschen wollen gehört werden: Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie der Uni Hohenheim.
Person am Schreibtisch mit Formular und zwei blauen Stiften.

Wählen und dann den Abgeordneten vertrauen: Zwei Drittel der Befragten bevorzugen die repräsentative Demokratie.

Michael Schwarz)

Stuttgart. Die Menschen in Deutschland sind keineswegs demokratiemüde – sie wollen aber stärker gehört werden. Das zeigt der zweite Teil des Demokratie-Monitors 2026 der Universität Hohenheim ( hier ein Text zu Teil 1 ). Knapp zwei Drittel der Befragten bevorzugen eine repräsentative Demokratie, in der gewählte Politiker entscheiden, zuvor jedoch den Dialog mit der Bevölkerung suchen. Rund 30 Prozent sprechen sich dagegen für direktdemokratische Verfahren aus. Befragt wurden im August 2026 im Auftrag der Universität 4059 Menschen ab 16 Jahren.

Forscher: Bürgerbeteiligung stärkt Akzeptanz der Politik

Besonders groß ist der Wunsch nach Beteiligung auf kommunaler Ebene. 87 Prozent halten dialogische Beteiligungsmöglichkeiten in Städten und Gemeinden für wichtig, auf Landesebene sind es 74 Prozent und auf Bundesebene 67 Prozent. Mit dem bestehenden Angebot sind die Bürger allerdings seltener zufrieden: Auf Bundesebene äußern nur zehn Prozent Zufriedenheit, auf Landesebene 15 Prozent. In den Kommunen fällt die Bilanz mit 38 Prozent deutlich besser aus.

Für den Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider ist das ein Hinweis darauf, dass Bürgerbeteiligung nicht als Konkurrenz zur repräsentativen Demokratie verstanden werden sollte. Vielmehr könne sie deren Akzeptanz stärken. Die Daten zeigen einen engen Zusammenhang zwischen der Bewertung von Beteiligungsverfahren und dem Vertrauen in politische Institutionen. Wer mit Ablauf und Ergebnis zufrieden ist, bewertet auch das Funktionieren der Demokratie vor Ort positiver.

AfD-Anhänger bevorzugen die direkte Demokratie

Dabei will längst nicht jeder selbst aktiv mitreden. 20 Prozent haben laut Studie kein Interesse an entsprechenden Formaten. Weitere 40 Prozent möchten sich nicht persönlich beteiligen, aber über den weiteren Verlauf informiert werden. Die übrigen 40 Prozent wären bereit, sich aktiv einzubringen. 39 Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen zehn Jahren mindestens einmal an einem Beteiligungsverfahren teilgenommen zu haben.

Auffällig sind die Unterschiede je nach Parteipräferenz. Bei fast allen Parteianhängern überwiegt die Präferenz für eine repräsentative Demokratie mit vorgeschaltetem Dialog. Anders bei der AfD: Mehr als 60 Prozent ihrer Anhänger bevorzugen direktdemokratische Varianten. Generell gilt: Je unzufriedener Menschen mit dem Funktionieren der Demokratie sind, desto eher wünschen sie sich unmittelbare Entscheidungen durch die Bevölkerung.

Dabei zeigt sich ein Gefälle zwischen den politischen Ebenen. Mit dem Funktionieren der Demokratie in ihrer Stadt oder Gemeinde sind 59 Prozent zufrieden, auf Landesebene sind es 51 Prozent. Auf Bundesebene sind es nur 39 Prozent – ein neuer Tiefstwert in der seit 2021 laufenden Erhebung. Gerade deshalb rückt die kommunale Ebene in den Blick: Dort erleben Bürger politische Entscheidungen am unmittelbarsten – und dort scheint Beteiligung am ehesten geeignet, Vertrauen zu schaffen.

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