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Zwischen Bargeld und Krypto: Taskforce sagt Geldwäsche den Kampf an

Bargeld spielt in der Finanzkriminalität weiter eine Hauptrolle.
adobestock/foto-begsteiger.com)Stuttgart. Eigentlich ist der lange Gang im oberen Stockwerk eines Bürogebäudes in Stuttgart-Feuerbach ein typischer Büroflur. Weiße Wände, rechts und links Arbeitsräume, neben den Türen Namensschilder. Doch etwas wirkt seltsam: Welche Organisation hier ihren Sitz hat, lässt sich an den Schildern nicht eindeutig ablesen. Im einen Büro sitzt jemand vom LKA, nebenan ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, gegenüber ein Steuerfahnder.
Natürlich ist das kein Zufall, sondern Absicht. In der Taskforce Finanzkriminalität sollen die drei Abteilungen in einer Einheit zusammenarbeiten. 26 Ermittler sind es derzeit, 31 sollen es werden, bei 44 Personen im gesamten Team. Die „zusammengeschobenen Schreibtische“, das betonen mehrere Mitarbeiter, erleichtern das Arbeiten am gemeinsamen Ziel: dem Kampf gegen Geldwäsche.
Illegales Geld soll in den legalen Kreislauf
Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es die Taskforce , es ist Zeit für eine erste Bilanz. „Geldwäsche ist die Grundlage für die gesamte organisierte Kriminalität“, sagt Justizminister Moritz Oppelt (CDU) , der vor seiner Laufbahn in der Politik selbst als Steuerfahnder gearbeitet hat. Für die Kriminellen geht es darum, die illegale Herkunft von Geld und Vermögen zu verschleiern und in den legalen Kreislauf zu bringen. „Je besser es uns gelingt, das zu verhindern, desto unattraktiver wird es, kriminell zu sein.“
In Baden-Württemberg führen derzeit nur etwa vier von 100 Geldwäscheverfahren zu einer Anklage. Bundesweit wird nur ein kleiner Teil der Geldwäsche überhaupt sichtbar. Für das Jahr 2024 beziffert das BKA eine Summe von 230 Millionen gewaschenen Euro, Experten schätzen das tatsächliche Volumen jedoch auf rund 100 Milliarden Euro pro Jahr. Der Deutsche Richterbund beklagt seit Längerem, dass die Länder zu wenig gegen Geldwäsche tun.
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Die Taskforce erhält ihre Hinweise auf zwei Wegen: Entweder melden Behörden wie Finanzämter oder Regierungspräsidien, wenn auffällig hohe Geldsummen bewegt werden. Oder die Polizei zieht die Taskforce zu laufenden Fällen hinzu. So können die Geldwäsche-Experten teilweise parallel zu den Dienststellen im selben Fall ermitteln.
185 Verfahren hat die Taskforce in ihrem ersten Jahr eingeleitet, davon 50 große Verfahrenskomplexe. „Das sind die dicken Fische, da geht es um Netzwerke, um Geldwäsche-Strukturen“, erklärt Bastian Rohr, der polizeiliche Leiter der Einheit. 78 Millionen Euro haben die Ermittler bereits gesichert, weitere 50 Millionen haben sie im Visier. Wenn alles gut läuft, fließen die Gelder nach dem abgeschlossenen Verfahren zurück in die Staatskasse.
Bei ihrer Arbeit hat die Taskforce viel mit Bargeld zu tun – „Privat hat man oft den Eindruck, Bargeld hat ausgedient“, sagt Kriminalrat Rohr. „Aber es ist unheimlich viel davon auf unseren Straßen unterwegs, und es ist oft schwer nachzuvollziehen, wo es herkommt.“ Häufig stellten sich Verbindungen zur organisierten Kriminalität heraus, oft geht es darum, das Geld ins Ausland zu schaffen.
Uber-Fahrer werden zu Geldkurieren
Rohr berichtet von einem „regelrechten Markt für Geldkuriere“. Sie sind beispielsweise eigentlich Uber-Fahrer, bringen dann aber große Summen von A nach B – ohne zu wissen, für wen sie arbeiten. In einem Fall habe man an der Schweizer Grenze 315.000 Euro sichergestellt, die professionell im Motorraum verstaut waren. Ein anderer Kurier trug eine sogenannte Schmugglerweste, mit der sich bis zu 100.000 Euro transportieren lassen.
Immer häufiger stoßen die Ermittler inzwischen auf Kryptowährung, „das ist für sich schon ein super Geldwäschemittel, weil es weitgehend anonym ist“, erklärt Oberstaatsanwalt Rüdiger Fuchs. Die Börse Stuttgart machte die Ermittler beispielsweise auf ein Konto aufmerksam, auf das Kryptowährungen in Millionenhöhe überwiesen werden sollten. Eine Frau wollte auf diese Weise eine Erbschaft an der Steuer vorbeischleusen – gewissermaßen Steuerhinterziehung und Geldwäsche in einem. Doch dabei blieb es nicht: Am Ende der Ermittlung hatte die Taskforce Kryptowährungen im Wert von 64 Millionen Euro und mehrere Luxusfahrzeuge als mutmaßliche Anlageobjekte sichergestellt.
Trotz dieser ersten Erfolge befindet sich die Taskforce weiter in der „Start-up-Phase“, wie Fuchs und Rohr es nennen. Das Team steht auch nach einem Jahr noch am Anfang, „wir hoffen auf eine steile Lernkurve“, sagt Rüdiger Fuchs. Die IT-Kompetenz soll sich verbessern, vor allem aber sollen Zollbeamte zu der Taskforce stoßen. Das steht sogar im Koalitionsvertrag. „Der Zoll ist ein logischer Partner“, erklärt Fuchs. „In seiner Zuständigkeitsbeschreibung steht praktisch das Gleiche wie bei uns.“