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Reinhard Hackl, ein unermüdlicher Streiter für Demokratie und Bahnstrecken

Reinhard Hackl war Landesvorsitzender des Vereins "Mehr Demokratie", grüner Abgeordneter und ein Vorkämpfer für Bahnstrecken-Reaktivierung.
Achim Zweygarth)Holzgerlingen. Wenn der in Leonberg im Kreis Böblingen 1960 geborene Reinhard Hackl auf seine politische Karriere zurückblickt, bleiben viele Erfolge. „Ich habe schon für die Schönbuchbahn gekämpft, als alle darüber nur gelacht haben“, erinnert er sich. Und auch für die Hermann-Hesse-Bahn von Renningen nach Calw, die er lieber „Schwarzwaldbahn“ nennt, hat er sich verkämpft.
Sein wohl wichtigster Kampf war aber wohl der für mehr und einfachere Bürgerentscheide. 2015 > wurden unter Grün-Rot die Hürden deutlich gesenkt, die Handschrift hinter der Reform war klar erkennbar. Reinhard Hackl gehört zu den Mitbegründern der grünen Partei, hat einst den Ortsverband Gerlingen im Kreis Ludwigsburg ins Leben gerufen. Anders als viele andere Umweltbewegte hatte er eine Verwaltungsausbildung an der Hochschule für Verwaltung, damals noch Stuttgart, heute Ludwigsburg, wurde er Diplom-Verwaltungswirt und ging ans Böblinger Landratsamt. Unter Reiner Heeb, dem damals einzigen SPD-Landrat, wurde er Pressesprecher.
Hackl warf einst Winfried Kretschmann aus dem Landtag
„Das war der beste Chef, den ich je hatte. Wer ihm gegenüber loyal war, hinter dem stand er auch.“ Später kümmerte er sich im Emissionsschutz. Dann wurde er 1992 völlig überraschend in den Landtag gewählt. „Ich wollte eigentlich eine Frau als Kandidatin“, erinnert der 65-Jährige sich. Doch niemand wollte, der Wahlkreis Böblingen war klein, nach dem alten Wahlrecht kaum zu gewinnen.
So trat er selbst an, und bekam auch wegen der lokalen Proteste gegen die vom Land geplante Sondermüllverbrennungsanlage viele Stimmen. Kurios: So gut war sein Ergebnis, dass ein gewisser Winfried Kretschmann im einwohnermäßig riesigen und daher fast sicheren Wahlkreis Nürtingen um 200 Stimmen das Nachsehen hatte und aus dem Landtag flog. Beigetragen hatte dazu, dass ein gewisser Helmut Palmer in Nürtingen als unabhängiger Kandidat antrat.
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Hackl ging als Grüner auf die Polizei zu
Hackl nahm den Auftrag ernst, machte Polizeipolitik, sprach als Grüner mit allen Abteilungen der Ordnungshüter. „Sie haben schnell gemerkt, dass ich zuhöre. Und plötzlich haben die Grünen Anträge auf mehr Polizeiautos im Landtag gestellt“, erinnert er sich. Doch in der Fraktion war er in der Opposition zu Fraktionschef Fritz Kuhn.
Nach acht Jahren legte er 2000 das Mandat nieder und wurde Landesvorsitzender des Vereins „Mehr Demokratie“ – und damit eine vernehmbare Stimme im Südwesten, die mehr Bürgerentscheide forderte. „Wir wollten nach bayerischem Vorbild kein Quorum mehr von 25 Prozent der Wahlbürger, die zustimmen müssen“, sagt er.
Negativ-Demokratiepreis für Bürgermeister
Bei den Bürgermeistern machte er sich nicht nur beliebt. Der frühere Karlsruher OB Heinz Fenrich (CDU) erhielt einmal die „Demokratie-Grurke“ vom Verein: „Er hatte bei einem Bürgerentscheid für Stadtbahntunnel extrem einseitig informiert.“ Später verlegte man sich auf positive Auszeichnungen, wie die „Demokratie-Rose“ – zuletzt erhielt diesen Preis Bad Urach: Die Gemeinde “rettete“ einen formal ungültigen Antrag der Bürger, indem sie einen Entscheid aus dem Gemeinderat einleitete und neutral informierte.
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Bis 2013 blieb Reinhard Hackl Vorsitzender des Vereins, 2015 änderte Grün-Rot die Gemeindeordnung und erleichterte Bürgerentscheide, ermöglichte Volksanträge und senkte die Hürden. Ein Erfolg ja – aber Hackl hätte sich mehr gewünscht: „Noch immer stoßen Bürgerentscheide oft auf viele Hürden in den Kommunen.“
Die Grünen sieht er im Rückblick skeptisch
Eine schwere Erkrankung zwang ihn, kürzer zu treten. Im Böblinger Landratsamt, wo er lange für Kinder-Vormundschaften zuständig war, wurde er zum Behindertenbeauftragten. Und schuf ein viel gelobtes Projekt, das Behinderten auch Politik näher bringt.
Reinhard Hackl bleibt ein politischer Mensch – und sieht manches kritisch an den Grünen – im aktuellen Wahlprogramm etwa halte man sehr am Status Quo fest: „Die Politik des Gehörtwerdens ist zu wenig, man muss die Bürger ernsthaft in Entscheidungen einbeziehen.“