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Ghosting ist ein weitverbreitetes Phänomen

Der abrupte Abbruch von Kontakten hat sich mittlerweile auch beim Recruiting verbreitet. Foto: dpa-infografik
dpa-infografik GmbH)Nürnberg/Düsseldorf. Laut Wikipedia bezeichnet das Wort Ghosting (von englisch ghost „Gespenst, Phantom“) den abrupten und vollständigen Abbruch des Kontaktes in einer sozialen Beziehung wie etwa einer Partnerschaft oder Freundschaft durch eine Seite – und zwar ohne Warnung oder Erklärung dafür.
Mittlerweile ist das Ghosting ein weitverbreitetes Phänomen in vielen Lebensbereichen von Menschen geworden. Und im Bereich des Geschäftslebens kommt es immer öfter vor, dass bei Stellenausschreibungen Arbeitgeber auf Bewerbungen mit Schweigen reagieren, jedoch auch zunehmend Bewerber damit beginnen, auf Rückfragen von Arbeitgebern nicht mehr zu reagieren.
„Die Mehrheit der Bewerber erhält keinerlei Antwort auf Bewerbungen“, heißt es nun auch in einer repräsentativen Umfrage des Instituts Appinio im Auftrag der Jobbörse Indeed. Dazu wurden im März dieses Jahres jeweils 500 Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 66 Jahren von Appinio befragt.
Fast zwei Drittel bekam keine Rückmeldung
63,5 Prozent der Bewerber hätten demnach angegeben, im vergangenen Jahr keine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen erhalten zu haben, für fast 80 Prozent der Befragten habe Ghosting zugenommen. „Personalabteilungen stehen in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität unter erheblichem Druck“, sagt der Indeed-Geschäftsführer Frank Hensgens laut Mitteilung der deutschen Presseagentur (dpa).
„Die sich wandelnde Marktdynamik darf jedoch keine Entschuldigung für mangelhafte Rekrutierungspraktiken sein“, so Hensgens weiter. Das Ignorieren von Bewerbern untergrabe das Vertrauen in den Arbeitsmarkt.
Neben der mangelnden Kommunikation schrecke auch der Aufwand bei der Bewerbung ab. Als größte Hürden werden der zeitliche und bürokratische Aufwand genannt. Komplizierte Formulare müssten teils per Hand ausgefüllt werden. Auch die Angst vor Ablehnung oder das Gefühl, sich verstellen zu müssen, wurden als Hürde genannt.
Mehr Transparenz bei Verdienstmöglichkeiten
63 Prozent der Befragten wünschten sich bei Stellenanzeigen mehr Transparenz, vor allem bei Angaben zum Gehalt. Nur 11,5 Prozent der Stellenanzeigen beinhalteten bisher entsprechende Angaben, hieß es von Indeed.
Geschäftsführer Hensgens sieht in den Ergebnissen der Umfrage ein Problem für das gesamte Wirtschaftsgefüge. Frustration verstärke Stagnation. „Unzufriedene Fachkräfte bleiben aus Sorge vor den Bewerbungshürden länger in ungeeigneten Jobs“, meint er. Und das mindere seiner Ansicht nach die Gesamtproduktivität und behindere zugleich den notwendigen Wissenstransfer. (rik/dpa)