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S-21-Tiefbahnhof

Ex-Geschäftsführer von SMA schürt neue Zweifel an der Unabhängigkeit des S-21-Stresstest

Neue Aussagen ehemaliger Manager der Schweizer Gutachterfirma SMA werfen Fragen zum Stuttgart-21-Stresstest auf. Demnach überprüfte SMA lediglich eine Simulation der Deutschen Bahn. Damit wachsen die Zweifel an Aussagekraft und Unabhängigkeit der Prüfung.
Konstruktion einer großen, modernen Halle mit gebogenen Decken und Schienen.

Neue Zweifel am Stresstest für Stuttgart 21: Giuliano Montanaro, früherer Geschäftsführer der beteiligten Schweizer Gutachterfirma SMA, kritisiert das damalige Prüfverfahren als „Blackbox“ und stellt die Unabhängigkeit der Bewertung infrage.

IMAGO/Klaus W. Schmidt)

Stuttgart . Erst kürzlich hat sich der ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende der Schweizer Beratungsfirma SMA, Werner Stohler, von zentralen Ergebnissen des Stresstests für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 aus dem Jahr 2011 distanziert. Stohler stellte die Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs infrage, die seine Firma damals selbst geprüft und bestätigt hatte.

„Die Prüfung war eine Blackbox“

Nun nährt Giuliano Montanaro, der Ex-Geschäftsführer der beteiligten Gutachterfirma, in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung weitere Zweifel am Verfahren. Demnach habe SMA die Leistungsfähigkeit des Bahnhofs nicht selbst simuliert, sondern lediglich eine von der Deutschen Bahn mit einer anderen Software erstellte Simulation überprüft. Weder die Parametrisierung noch die Kalibrierung seien den SMA-Experten bekannt gewesen. Montanaro bezeichnete dies als „sehr problematisch“. Die Prüfung sei für ihn einer „Blackbox“ gleichgekommen. Eine belastbare Bewertung sei ohne tiefes Verständnis von Modell und Werkzeug kaum möglich.

Zudem bestätigte Montanaro Zweifel an der Unabhängigkeit der Prüfung. Der Stuttgarter Zeitung sagte er, er habe „eine Erwartungshaltung seitens der DB gespürt“. Die Bahn sei ein wichtiger Kunde von SMA gewesen. „Ich hatte den Eindruck, dass es unter diesen Voraussetzungen schwierig gewesen wäre, völlig unabhängig zu arbeiten.“

Alle neuen Entwicklungen bei S21 finden Sie auch in unserem Stuttgart 21-Ticker

Verkehrsminister Hermann: Daten waren Betriebsgeheimnis

Auch Winfried Hermann (Grüne), ehemaliger Verkehrsminister von Baden-Württemberg, bezeichnete den Stresstest im Gespräch mit dem SWR als „problematisch“. Daten und Rechenverfahren seien ausschließlich der Deutschen Bahn bekannt gewesen und als „Betriebsgeheimnis“ unter Verschluss geblieben. Um das Misstrauen abzubauen, sei SMA als neutrale und kompetente Schweizer Firma hinzugezogen worden. „Da die SMA bei Kennern und Kritikern einen guten Ruf hatte, war dies akzeptabel. Umso erstaunlicher war es, dass die SMA die optimale Leistungsfähigkeit zertifizierte.“

Das Gutachten hatte bereits 2011 Kritik ausgelöst. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sagte auf SWR-Anfrage, er habe die aus seiner Sicht mangelnde Plausibilität der Ergebnisse bereits in der zweiten Schlichtungsrunde ausführlich dargelegt. „Leider sind unsere Argumente an der Autorität von SMA abgeprallt“, erklärte Palmer. Später habe er von Insidern erfahren, dass SMA das Testat erteilt habe, um einen ihrer größten Auftraggeber nicht zu verprellen.

Neuer soll bis zu 49 Züge pro Stunde bewältigen können.

Im Rahmen der Schlichtung war die Deutsche Bahn 2011 beauftragt worden, den Stresstest durchzuführen. Er sollte den Fahrbetrieb im künftigen Durchgangsbahnhof simulieren. Nach den Vorgaben von Schlichter Heiner Geißler musste ein Fahrplan mit 30 Prozent Leistungszuwachs in der Spitzenstunde bei guter Betriebsqualität möglich sein. Der neue Bahnhof sollte damit bis zu 49 Züge pro Stunde bewältigen können. Die Untersuchung von SMA bescheinigte dem Tiefbahnhof diese Leistungsfähigkeit.

Mittlerweile haben die Bahn und die Projektpartner Stuttgart 21 um den „Digitalen Knoten Stuttgart“ ergänzt. Durch ein neues Zugsicherungssystem mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik sowie teilautomatisiertem Zugbetrieb sollen deutlich höhere Kapazitäten erreicht werden. Eine vom Bundesverkehrsministerium bei der Unternehmensberatung McKinsey beauftragte Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich die Kapazität gegenüber dem konventionellen Bahnbetrieb um bis zu 35 Prozent steigern lasse.

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