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Klimaresilienz

Wie Kommunen auf Niedrigwasser der Flüsse reagieren können

Der Pegel des Bodensees lag am ersten Oktoberwochenende auf dem noch nie gemessenen Tiefststand von 2,49 Meter. Gut 90 Prozent der Oberflächengewässer des Landes sind vom Regenmangel extrem betroffen. Die Fachleute appellieren an die Kommunen, zügig für 2027 vorzusorgen.
Eine Insel im See mit Bäumen und Sandbänken, umgeben von klarem Wasser.

Die verlandete Liebesinsel südlich der Halbinsel Mettnau bei Radolfzell am Bodensee: Um die Folgen von Niedrigwasser abzumildern, gibt es für Kommunen etliche Handreichungen.

IMAGO/imageBROKER/Markus Keller)

Stuttgart. Im neuen Koalitionsvertrag haben Grüne und CDU versprochen, „Städte und Gemeinden resilient und krisenfest zu machen“. Konkret genannt werden der Schutz von vulnerablen Gruppen, renaturierte Stadträume als wohnortnahe Erholungsmöglichkeiten und Inseln der Natur oder Begrünung sowie ein kluges Wasser- und Frischluftmanagement. Die Fachleute des Kompetenzzentrums Wasser und Boden der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) werden nach den Erfahrungen der vergangenen Monate noch deutlicher: „Vitale Gewässer sind gegenüber Niedrigwasser resilienter und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität natürlicher Ökosysteme sowie zur Lebensqualität der Bevölkerung.“

Regenwasserrückhalt und -speicherung

Verlangt werden Förderschwerpunkte. Das Umweltministerium verweist auf eine Verwaltungsvorschrift vom Herbst 2025, die bis 2031 Gültigkeit hat. Sie soll „die Kommunen bei der Umsetzung konkreter Anpassungsmaßnahmen unterstützen und die schnelle Umsetzung bestehender Konzepte vorantreiben“. Ausdrücklich hervorgehoben werden blau-grüne Maßnahmen oder blau-grüne Infrastruktur, darunter Regenwasserrückhalt und Speicherung, verbunden mit Begrünung, wodurch positive Mehrfacheffekte zum Hitzeschutz erzielt werden können.

Nach einer Zwischenbilanz sind gut 140 Maßnahmen bewilligt und fast 700 Kommunen bereits dem Klimapakt beigetreten, eine Voraussetzung dafür, aus diesem Topf profitieren zu können. Veröffentlicht sind auch Positivbeispiele, unter anderem der Stadt Stuttgart, die angesichts der Kessellage mit Starkregenrisiken und der Nutzung von Regenwasser befasst ist.

Passende Bäume gegen Verdunstung

Auch die KEA und das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) stellen eine Vielzahl einschlägiger Informationen zur Verfügung. Hervorgehoben wird das Anpflanzen von Schatten spendenden Bäumen und Sträuchern als wirkungsvolle Maßnahme hin zu mehr Resilienz. „Geeignete Baumarten für die Pflanzung an Ufern sind beispielsweise Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln“, so Martina Bachmann, KEA-Expertin für Gewässerunterhaltung.

Wichtig sei, „die Bäume oder Sträucher möglichst nah an der Uferlinie zu pflanzen, denn dann bieten die Baumwurzeln Struktur und natürliche Unterstände für Fische“. Die Monate Oktober bis Februar werden als ideale Zeit für Baumpflanzungen beschrieben, aber auch für den Bau von Kaltwasserpools für Fische. Im Angebot sind zudem eine Reihe regionaler Informations- und Fortbildungsveranstaltungen.

Kleine Wasserkraft ohne große Wirkung

Die Umweltverbände und der Landesfischereiverband lenken den Blick außerdem auf die „Kleine Wasserkraft“. Rund 1750 Anlagen im Land liefern eine Leistung von weniger als ein Megawatt (MW) und „leisten damit einen vernachlässigbaren Anteil an den erneuerbaren Energien“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Gleichzeitig aber sei der ökologische Schaden gerade bei Niedrigwasser immens. Verlangt wird, den Abbau unwirtschaftlicher Standorte in die Klimaanpassungsförderung aufzunehmen . „Einige Betreiber würden ihre Anlage gern aufgeben“, erläutert Martin Bachhofer, Landesgeschäftsführer des BUND. Doch der Rückbau von Wehren und Wasserkraftanlagen sei fachlich komplex und finanziell allein kaum zu stemmen. Dementsprechend müssten sie unterstützt werden.

BUND, NABU und Landesfischereiverband erinnern in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zudem daran, dass die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung so ein Vorgehen empfiehlt. Außerdem könne Baden-Württemberg auf diese Weise seinen Beitrag zur EU-Wiederherstellungsverordnung leisten, um frei fließende Flüsse wiederherzustellen. Grüne und CDU hatten im Koalitionsvertrag noch angekündigt, „durch innovative Verfahren und Gestattungen für Investitionen in die kleine und große Wasserkraft neue Potenziale zu erschließen und dabei die Durchgängigkeit unserer Fließgewässer zu verbessern“. Laut der Umweltverbände müsse diese Passage angesichts der Entwicklung und der anhaltenden Niedrigstrände überdacht werden.

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