Debatten im Landtag vom 6. und 7. April 2022

Neubau Lindenmuseum: „Es ist Zeit, Versprechen einzulösen“

Alle Fraktionen, mit Ausnahme der AfD, unterstrichen die Bedeutung des Lindenmuseums. Es sei an der Zeit, den Neubau umzusetzen.

STUTTGART. Vor zehn Jahren wurde beschlossen, das renommierte Stuttgarter Lindenmuseum in einem Neubau unterzubringen. Bis heute gebe es keinen Standort, so Martin Rivoir in einer von seiner SPD-Fraktion beantragten Debatte „Chance für eine neue Rolle Baden-Württembergs in einer globalen Kulturpolitik“. Der kulturpolitische Sprecher anerkannte „die Sendepause in pandemischen Zeiten“. Es sei aber nicht nur Anliegen der Sozialdemokraten, dass „die Dinge jetzt vorangehen“. Auch weil der Leiterin des Lindenmuseums, Inés de Castro, als sie einem Ruf ans Humboldt-Forum nach Berlin nicht folgte, „ganz klar“ der Neubau des Museums in Aussicht gestellt worden sei.  Jetzt sei es an der Zeit, dieses Versprechen einzulösen.

Alle Redner und Rednerinnen, mit Ausnahme von Alfred Bamberger (AfD), unterstrichen die Bedeutung des Museums. Kunststaatssekretärin Petra Olschowski (Grüne) bezeichnete derartige Häuser als wichtigen Teil einer freien, öffentlichen Diskurskultur, „die nicht mehr nur Sammlungsgut präsentieren – was übrigens über Jahrhunderte hinweg häufig eine Demonstration von Machtwillen und Unterdrückung war –, sondern an denen Strukturen hinterfragt werden, historische Prozesse für die Gegenwart erfahrbar gemacht werden und unterschiedliche Blickwinkel aufeinandertreffen“. Dem Lindenmuseum, aber auch dem Landtag sicherte sie zu, dass „wir uns in der Landesregierung mit der Stadt so schnell wie irgend möglich für eine positive Zukunftsentwicklung der Gebäudesituation einsetzen“.

„Bedrückender Stillstand“

Auch Andreas Sturm (CDU) lobte das Haus und anerkannte den Bedarf einer ständigen Weiterentwicklung. Jedoch müsse das ganze Land gesehen werden und da stünden zahlreiche Vorhaben an, unter anderem die Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters in Stuttgart und des Staatstheaters in Karlsruhe.

Für die FDP sprach Stephen Brauer vom „bedrückenden Stillstand bei der notwendigen Neuaufstellung des Lindenmuseums“, der ein Ende haben müsse. Seit Jahren seien die Probleme im Bestandsgebäude bekannt: „Fehlende Barrierefreiheit und Parkmöglichkeiten, mangelhafter Brandschutz und extremer Platzmangel in Exposition und in Magazinen.“ Deshalb seien das Land und die Stadt Stuttgart gemeinsam in der Pflicht, den Weg zu einem zeitgemäßen Neubau zu weisen.

Transparenz herstellen

Zum zweiten Schwerpunkt der Debatte ein, dem Umgang mit dem kolonialen Erbe, sagte Olschowski eine enge Abstimmung mit den jeweiligen Ländern zu. Das eine sei, Transparenz herzustellen, „insbesondere und gerade auch für die Herkunftsgesellschaften, damit sie gleichberechtigt in den Prozess der Erarbeitung von Provenienz eingebunden werden können“. Das zweite sei die Erforschung der Provenienz als unverzichtbare Grundvoraussetzung für die Restitution. „Es wäre aber zynisch, die Raumnot hier durch die kraftvolle Restitution von Raubkunst lösen zu wollen“, mahnte Brauer und warnte vor einem „übersteuerten Problembewusstsein“.

Die AfD-Fraktion sieht sogar die Gefahr, dass restituierte Stücke rasch auf dem Schwarzmarkt landen und verkauft werden. Insgesamt kritisierte Bamberger die Debatten um die Neukonzeptionen ethnologischer Museen als „parteipolitische Instrumentalisierung von Wissenschaft und Forschung durch linke Parteien“, die sich selbst als weltoffen und tolerant zeigten „und die rechten Parteien, insbesondere natürlich uns, als latent oder offen rassistisch diffamieren wollen“. Als Konsequenz daraus gingen Menschen mit einem „bodenständigen Beruf gar nicht mehr in solche Museen, weil sie sich nicht moralisch indoktrinieren lassen wollen“.

Quelle/Autor: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer

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6. und 7. April 2022