Debatten im Landtag vom 28. September 2022

Verbindliche Berufsorientierung an Gymnasien: SPD- und FDP-Antrag scheitert

Die Regierungsfraktionen kritisierten die SPD- und FDP-Pläne, die Berufsorientierung an Gymnasien im Schulgesetz zu verankern, als Schnellschuss. Ihr Gesetzentwurf scheiterte.

Berufsorientierung an Gymnasien soll nach Ansicht der SPD- und FDP-Fraktion im Schulgesetz verankert werden.

Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/ZB | Ralf Hirschberger)

STUTTGART. SPD und FDP sind im Landtag mit der Idee gescheitert, die verbindliche Berufsorientierung auch an Gymnasien im Schulgesetz zu verankern. Ein Gesetzentwurf wurde von den Regierungsfraktionen abgelehnt, obwohl sich auch Grüne und CDU seinen Zielen grundsätzlich verpflichtet sehen. Eine Mehrheit fand hingegen ein Entschließungsantrag, der das Kultusministerium verpflichtet, „ein Umsetzungskonzept für eine zukunftsfähigere Berufliche Orientierung an allen Schularten auszuarbeiten und dem Landtag vorzulegen“.

Das gesamte Schulgesetz solle auf notwendige Anpassungen geprüft werden. Auch Kultusministerin Theresia Schopper (Grüne) sieht Nachbesserungsbedarf gerade bei einzelnen Gymnasien, weil da manche „die Nase nach oben tragen“ und allein die Studierfähigkeit im Mittelpunkt stehen.

Ziel: Gymnasien mit Auftrag zur beruflichen Orientierung

Die SPD-Fraktion wollte mit Unterstützung der Liberalen in Paragraph acht des Schulgesetzes den Auftrag auch zur beruflichen Orientierung aufnehmen, weil dort lediglich die Studierfähigkeit als Zielgröße festgeschrieben sei. Der Mannheimer Abgeordnete Stefan Fulst-Blei (SPD) appellierte an Grüne und CDU, gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel die Chance zu ergreifen, um nicht weiter Zeit zu verlieren: „Wer einen Schritt in Richtung Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung erreichen will, muss heute unserem Gesetzesentwurf zustimmen.“

Wenn der DGB und die IHKen, die Unternehmer oder die GEW unisono einen Gesetzentwurf lobten, so Alena Trauschel (FDP), „dann muss das doch ein Supergesetzentwurf sein, Chapeau an die Kollegen der SPD“. Der Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen sei aber auch ein wichtiger Vorschlag, nur müsse das „tatsächlich und flächendeckend erstens in den Köpfen ankommen und zweitens in der täglichen pädagogischen Praxis mit Leben gefüllt werden“.

„Schnellschuss“

Die Regierungsfraktionen kritisierten die SPD-Pläne dagegen als Schnellschuss. Einen Halbsatz im Gesetz zu ändern, kritisierte für die Grünen Bernd Mettenleitner, sei zu wenig. Für den CDU-Abgeordnete Manuel Hailfinger geht der Antrag der SPD völlig ins Leere, weil kein Handlungskonzept vorliege. Deshalb werde jetzt die Überprüfung des Schulgesetzes in Gänze angestoßen.

Hans-Peter Hörner (AfD) nutzte die Gelegenheit zu einer Grundsatzkritik: „Zu viele Lehrer kommen aus dem Kreißsaal, gehen in den Schulsaal, in den Hörsaal und zurück in den Schulsaal.“ Zudem hätten sie „niemals einen Tropfen Schweiß auf ihrer Haut gespürt“.

Auch Schopper anerkannte das gemeinsame Ziel, das dem Gesetzentwurf zu Grunde liege. Gymnasien-Bashing sei ihr aber zu einfach. Die Berechnungen des Statistischen Landesamtes „allein für uns in Baden-Württemberg sagen, dass sich die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen bis zum Jahr 2030 um elf Prozent reduzieren wird.“ Der Handlungsbedarf sei unbestritten: „Wir werden noch einmal an der Berufsorientierung arbeiten und schauen, wie wir das insgesamt mit einem neuen Push versehen können“. Und da würden Gymnasium keineswegs ausgespart.

Quelle/Autor: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer

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28. September 2022