Debatten im Landtag vom 9. und 10. Juni 2010

Zwischen Warnung und Miesmacherei: Debatte um Ausbildung und berufliche Schulen

Stuttgart. Für die einen ist die Situation angespannt und erfordert Reformen, die anderen wehren sich gegen Miesmacherei: Als die Abgeordneten an diesem Donnerstag im Landtag über die Ausbildung und Beschäftigung Jugendlicher debattierten, konnten sie sich nicht auf eine Beurteilung der aktuellen Situation einigen. So sprach der Grünen-Politiker Siegfried Lehmann von einer Verschärfung, weil die Zahl der Ausbildungsstellen im Land abgenommen, die Zahl der Bewerber aber zugenommen habe; die FDP-Abgeordnete Heiderose Berroth erklärte dagegen, dass die Daten aus dem Südwesten die besten europaweit seien: „Bei einer Jugendarbeitslosigkeitsquote von 3,5 Prozent ist es unverantwortlich, Angst unter den jungen Menschen zu verbreiten.“
In einem Antrag, um den sich die Diskussion drehte, hatten die Grünen auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt hingewiesen. Vor allem die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei gestiegen. Darüber hinaus gelinge es oftmals nicht, Jugendliche innerhalb von drei Monaten in ein Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis zu vermitteln. Und das, obwohl das der erklärte politische Wille sei.

Grüne fordern Reformen

Lehmann wies im Landtag nun darauf hin, dass in den vergangenen Jahrzehnten nahezu jeder vierte Ausbildungsplatz im Südwesten verloren gegangen sei. Um den demografischen Wandel und den gefürchteten Fachkräftemangel bewältigen zu können, müssten Reformen angegangen werden. Er sprach von einer Verzahnung der Berufskollege I und II mit der dualen Ausbildung. Der Grünen-Abgeordnete hält es dabei für denkbar, von Unternehmen die Anrechung der Ausbildungszeiten am Berufskolleg zu verlangen. Auch der Sozialdemokrat Gunter Kaufmann sagte: „Die Schulen könnten berufsqualifizierend ausbilden, wenn man sie machen ließe.“
Kaufmann kritisierte insbesondere das Übergangssystem, in dem sich mehr und mehr Jugendliche zwischen dem Abschluss einer allgemeinbildenden Schule und einer dualen Berufsausbildung aufhalten würden. Im Laufe der vergangenen Jahre sei das Eintrittsalter in einer Berufsausbildung von 16 auf 19 Jahre gestiegen. „Das bedeutet“, so der Sozialdemokrat, „dass ein aufwendiges Übergangssystem von Warteschleifen installiert wurde.“ Um dem Entgegenzuwirken, verlange die SPD eine Aus- und Weiterbildungsgarantie.

Ausbildungsreife nach allgemeinbildender Schule

Davon wollte die Liberale Berroth jedoch nichts wissen: „Allein durch das Festschreiben eines Rechtsanspruchs ist die Einlösung nicht garantiert.“ Sie zeigte sich überzeugt, dass junge Menschen einen Ausbildungsplatz bekommen können – vorausgesetzt, sie sind flexibel. Dass nicht alle Jugendlichen in ihrem Traumberuf eine Lehre beginnen würden, liege nicht zuletzt daran, dass sie über die Vielfalt der verschiedenen Möglichkeiten nicht informiert seien. Berroth gab das Ziel aus, dass junge Menschen nach Abschluss einer allgemeinbildenden Schule bereits ausbildungsreif sein sollten. So manches Jahr im Berufskolleg könnte sich damit erübrigen.
Ähnlich wie Berroth zeichnete auch die CDU-Abgeordnete Katrin Schütz ein Bild, das weit weniger düster ausfiel als das der Oppositionspolitiker. „Wir haben uns doch recht gut behaupten können in einer sehr schwierigen Situation“, sagte sie. Beispielsweise seien im vorigen Jahr zusätzliche Stellen für die beruflichen Schulen im Land geschaffen worden. Dazu gebe es Programme wie den „Azubi transfer“. Unternehmen erhalten dabei eine Unterstützung, wenn sie Auszubildenden aus insolventen Betrieben übernehmen. Nach Ansicht von Schütz funktioniert der Ausbildungspakt im Land. Und auch der Staatssekretär im Kultusministerium, Georg Wacker (CDU), sagte: „Wir halten das Bündnis für Ausbildung ein.“

Quelle/Autor: mars

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9. und 10. Juni 2010